Siebdruck – Technik, Werkzeuge und Ablauf des Prozesses
Siebdruck ist eine beliebte und gut erkennbare Druckmethode. Wichtig ist, dass man sie auf vielen Materialien einsetzen kann, zum Beispiel auf Papier, Karton, Folie, Metall und sogar auf geformten Teilen. Allerdings wurde die Technik vor allem durch die Textilbranche besonders bekannt. Außerdem eignet sich Siebdruck besonders gut für große, flache Flächen, wenn kräftige und gleichmäßige Farbschichten gefragt sind.

- A – Farbe
- B – Rakel
- C – freigelegter Teil des Gewebes
- D – mit Schablone abgedeckter Teil des Gewebes
- E – Rahmen des Siebes
- F – grafischer Druckabzug
Das Sieb als Grundlage des Siebdrucks
Das wichtigste Element im Prozess ist das Sieb: ein Aluminiumrahmen mit einem speziellen, straff gespannten Gewebe. Dieses Gewebe überträgt die Farbe. Sobald man die Maschen in den nicht druckenden Bereichen blockiert, entsteht eine Schablone (eine Matrix), die sofort einsatzbereit ist. Danach läuft die Farbe durch die offenen Maschenbereiche. Zudem haben Standardgewebe häufig etwa 100–150 Fäden pro cm², daher lassen sich wiederholbare Ergebnisse erzielen.
Methoden zur Bildung nicht druckender Bereiche
- Manuelles Auftragen eines Sperrmediums: nach dem Trocknen wird es undurchlässig.
- Zeichnung auf dem Gewebe: mit Tusche oder lithografischem Stift.
- Ausgeschnittene Schablonen: aus Papier oder Folie.
- Fotobeschichtung: Gewebe mit lichtempfindlicher Emulsion beschichten, trocknen lassen und anschließend in der Kopierrahme belichten.
Rakel und Farben
Zum Durchdrücken der Farbe durch das Gewebe nutzt man die Rakel. Je nach Auftrag kann sie unterschiedliche Größen haben, und meist besteht sie aus einem Griff, einer elastischen Gummileiste und Kunststoffteilen. Außerdem nennt man sie manchmal „Wischer“, weil sie die Farbe durch die freien Maschen „wischt“.
Im Siebdruck verwendet man vor allem wasserbasierte und Plastisol-Farben. Wasserbasierte Farben enthalten kein PVC und kein Formaldehyd, daher gelten sie oft als vorteilhaft. Zudem funktionieren sie auf sehr dichten Geweben und liefern dennoch kräftige Farbsättigung. Plastisol-Farben sind dagegen zähflüssiger, deshalb decken sie weniger saugfähige oder weniger glatte Untergründe besser ab. Außerdem trocknen sie während des Druckens nicht im Sieb, was die Arbeit beschleunigt. Zusätzlich gibt es lösemittelbasierte Farben, UV-Farben sowie spezielle Siebdruckklebstoffe.
Wie läuft der Druck ab?
Zuerst verteilt man die Farbe auf dem Sieb. Danach bewegt man die Rakel, die die Farbe durch die freien Maschen direkt auf den Bedruckstoff drückt. Allerdings funktioniert es bei runden Objekten anders: Die Rakel bleibt stehen, während sich das Sieb bewegt und das Objekt rotiert. Außerdem nutzen moderne Siebdruckmaschinen Servoantriebe, die die Geschwindigkeit von Sieb und Objekt synchronisieren, daher wird der Prozess deutlich präziser.

Geschichte des Siebdrucks: von Japan bis heute
Japan und die Verzierung von Kimonos
Die Anfänge des Siebdrucks werden mit Japan verbunden, wo diese Methode bereits im 17. Jahrhundert zum Verzieren von Kimonos genutzt wurde. Interessanterweise gelten Yuzensai Miyasaki und Zisukeo Hirose als wichtige Persönlichkeiten. Der erste dekorierte Kleidung mit dieser Technik, während der zweite eine Papierschablone entwickelte, die „katagami“ genannt wird. Außerdem wurde – ähnlich wie heute – das Papiermuster auf ein Netz aus menschlichen oder tierischen Haaren gelegt, das auf einem Holzrahmen gespannt war. Darüber hinaus nutzte man auf Fidschi Bananenblätter zur Schablonenherstellung, daher zeigt die Geschichte des Siebdrucks die Kreativität vieler Kulturen.

USA: technologische Durchbrüche
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs entwickelte sich der Siebdruck in den USA sehr dynamisch. Hervorzuheben ist, dass John Pilsworth aus San Francisco eine Methode für den Mehrfarbdruck aus einer einzigen Form erarbeitete, wodurch der Prozess schneller wurde. Anschließend erwies sich der Profilm-Schellackfilm von Louis F. D’Autremont als wichtige Innovation, weil er die Schablonenvorbereitung erleichterte. Kurz darauf schlug Joseph Ulano einen Cellulosefilm vor, der – was wichtig ist – bis heute verwendet wird.
Europa, Kunst und Untergrunddruckereien
Im 20. Jahrhundert erreichte der Siebdruck Europa und wurde rasch zu einer geschätzten Technik der Druckindustrie. Außerdem begann die Serigrafie auch als künstlerisches Werkzeug zu funktionieren, daher fand sie ihren Weg in Schulen und Ateliers. In Polen spielte der Siebdruck in den 1970er- und 1980er-Jahren eine wichtige Rolle in Untergrunddruckereien, was seine Bedeutung in den damaligen Verhältnissen zeigt.
Polnischer Verband und FESPA
Heute ist in Polen der Polnische Verband für Siebdruck und Digitaldruck mit Sitz in Krakau aktiv, der früher als Verband der polnischen Siebdrucker tätig war. Die Organisation verbreitet Wissen über den Siebdruck und gibt regelmäßig Branchennachrichten weiter. Wichtig ist außerdem, dass sie Mitglied der internationalen Organisation FESPA ist.

